Arktischer Frühling beginnt zwei Wochen früher
In nur zehn Jahren hat sich der arktische Frühling in Grönland um 14,6 Tage vorverschoben, berichten Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Magazins Current Biology. In Folge werden auch Pflanzen und Tiere in der Region früher aktiv. Die Forscher warnen davor, dass diese Entwicklung sich negativ auf das gesamte Ökosystem der Region auswirken könnte und einige Spezies die Veränderungen nicht überleben werden.
Das Forscherteam um Toke Höye und Hans Meltofte vom Department of Arctic Environment der Universität von Arhus hat die Region um die dänische Forschungsstation Zackenberg im Nordosten Grönlands zwischen 1996 und 2005 unter die Lupe genommen und dabei 21 Spezies, darunter sechs Pflanzen, zwölf Gliederfüßer und drei Vogelarten, beobachtet. Die Forscher konnten feststellen, dass sich das typische Frühlingsverhalten wie etwa Wachstum, Blüte oder Eierlegen innerhalb des zehnjährigen Beobachtungszeitraumes um durchschnittlich 14,6 Tage vorverlegt hatte.
“Unsere Studie bestätigt, was viele Leute denken - nämlich, dass sich die Jahreszeiten verändern”, so Höye. “Die genauen Auswirkungen auf das Ökosystem können wir aber bei weitem nicht abschätzen”, erklärt Meltofte. Man könne zwar nicht sagen, dass nun jedes Jahr der Frühlingsbeginn früher einsetze, meint der Wissenschaftler. Es sei aber deutlich geworden, dass im Zeitraum zwischen 1996 und 2005 der Frühling früher gekommen sei. Im Vorjahr war der Frühlingsbeginn aber wieder später, 2007 erneut früher. “Das Essenzielle in der arktischen Veränderung ist der Eintritt der Schneeschmelze, denn davon hängt alles Leben ab”, erklärt Meltofte.
Veränderungen konnten die Wissenschaftler auch während der Wintermonate beobachten. “Sie waren generell milder”, so Meltofte. Sorgen machen sich die Forscher vor allem um die zukünftige Entwicklung der Veränderungen der Flora. “Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die Situation ähnlich ist wie in den Alpen. Durch die Erwärmung wandern Pflanzen in höhere Regionen”, erklärt der Wissenschaftler. Diese Flucht in kältere und höher gelegene Regionen habe in den vergangenen 70 Jahren 90 Meter ausgemacht. “Was die Situation allerdings prekär macht, ist die Tatsache, dass es im Norden Grönlands keine weitere nördliche Ausbreitung mehr gibt.” Das bedeute wohl, dass einige Spezies aussterben werden, schließt der Forscher daraus.
Die Daten von den dänischen Forschern sind für Klimaforscher besonders wertvoll, weil sie nicht nur den physikalischen Parameter Temperatur aufzeichnen, sondern die Veränderungen durch die Variation im Ökosystem. “Es gibt leider keine vergleichbaren Aufzeichnungen von anderen Arktis-Regionen etwa von Kanada oder Sibirien”, meint Meltofte. Die Untersuchungen in der grönländischen Forschungsstation werden jedenfalls weitergehen. “Der Name Zackenberg geht übrigens auf die Zweite Deutsche Nordpolfahrt 1869/70 unter Leitung von Karl Koldewey zurück, bei der auch der österreichische Polarforscher Julius Payer eine entscheidende Rolle spielte,” so der Wissenschaftler abschließend.
© pte





















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