Aus für Diesel: Benziner bis 2020 wirtschaftlicher
Die europäische Pkw-Landschaft wird sich mittel- bis langfristig in erheblichem Ausmaß aufgrund variierender Ölpreise, neuer Emissionsrichtlinien sowie durch globale Besteuerungen und Kostenvorteile auf Fahrzeuge und Kraftstoffe verändern. Obwohl Dieselmotoren hinsichtlich ihrer Anschaffungs- und Verbrauchkosten sowie Marktanteilen von bis zu 70 Prozent in Österreich derzeit noch die Nase vorn haben, werden Benziner und Hybridfahrzeuge zukünftig den Ton angeben und Dieselfahrzeuge sukzessive vom Markt verdrängen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Managementberatung A.T. Kearney Österreich in Zusammenarbeit mit der AVL Consulting.
“Die Entwicklung der zukünftigen Antriebstechnologien entscheidet nicht nur der Kunde anhand des Kostenvorteils, der letztlich die Kaufentscheidung ausmacht. Hierbei spielt auch das Beeinflussungspotenzial durch die (europäische) Gesetzgebung sowie die strategische Ausrichtung der Automobilindustrie samt angrenzender Branchen eine nicht unwesentliche Rolle”, unterstreicht Christian Schuh, A.T. Kearney Partner und Mitglied der Geschäftsleitung. Das Beispiel Österreich verdeutlicht zwar, dass rund dreimal soviel Diesel als Benzin verbraucht wurde und die Neuzulassungen von Diesel- gegenüber Benzinfahrzeugen seit 1995 überwiegen, dennoch ist seit 2003 die Spitze erreicht.
“An dieser Entwicklung lässt sich klar erkennen, dass die Automobilindustrie in der Vergangenheit primär in den Dieselbereich investierte und dieser Leistungsvorsprung mittlerweile allmählich durch andere Technologien, wie immer sparsamer werdende Benzin- und Hybridfahrzeuge abgebaut wird”, so Schuh. Zwar seien hybridbetriebene Pkw von der Wirtschaftlichkeit, dem Verbrauch und anhand ihres geringen CO2-Ausstoßes am besten, mit hohen Preisaufschlägen jedoch auch am teuersten. Die Vorteile für Benziner sieht der Experte in deren bis 2020 fast 20-prozentigen Verbrauchs- und damit Kostenreduzierung. So wird ein Benziner künftig nur rund zehn Prozent mehr als ein Diesel verbrauchen (heute noch bis zu 30 Prozent). Diesel-Abgasnachbehandlungssysteme verursachen laut der Studie Mehrkosten um weitere 800 bis 1.500 Euro.
Nüchtern daher die Prognose, dass sich ein Diesel in Europa bis 2020 nur mehr für rund 25 Prozent der Autofahrer kostenmäßig lohnen wird (heute noch knapp 50 Prozent). “Vor diesem Hintergrund stellt sich ein Umdenken bei den Automobilherstellern mittel- bis langfristig als unausweichlich dar”, verdeutlicht Schuh. Deutlich wird diese Einschätzung bei sogenannten “Full-Hybrides”. Selbst komplettbetriebene Hybridfahrzeuge als Kombination eines Verbrennungs- und Elektromotors werden sich bis 2020 für die meisten Kunden aus Mehrkostengründen von 3.000 Euro gegenüber einem Benziner eher nicht lohnen. Die Wirtschaftlichkeit dieser Fahrzeuge sieht der Fachmann bis 2020 hingegen nur für städtische Vielfahrer und umweltbewusste Käufergruppen. “Da bis 2012 die bislang schärfsten Emissionsrichtlinien zur Limitierung von Rußpartikeln und Stickoxiden mit ,Euro6′ in Kraft treten, bleibt die Automobilindustrie in ihrem Innovationspotenzial gefragt, wobei der Staat mit Subventionen auf innovative Antriebssysteme wichtige Impulse liefern kann”, so Schuh abschließend.
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