Papst-Satire verärgert Polen

Eine Satire über das Seligsprechungsverfahren des verstorbenen Papst Johannes Paul II. auf der Satireseite “Glasauge” auf Welt Online führt zu erneuten Verstimmungen zwischen Polen und Deutschland. Zahlreiche polnische Medien bezeichneten die Satire als “geschmacklos” und “äußerst beleidigend”. In der Welt-Redaktion flatterte bereits ein Protestbrief des polnischen Botschafters in Berlin, Marek Prawda, ein. Welt Online sieht in der Aufregung vielmehr die nationale Kränkung der Polen, als die Verletzung religiöser Gefühle.

“Der Text macht sich ja weniger über Papst Johannes Paul II. lustig als über die Absurditäten des katholischen Wunderglaubens und die Bürokratie des Seligsprechungsverfahrens”, so “Glasauge”-Redakteur Matthias Heine. Mehrfach habe man sich bereits wesentlich schärfer über den amtierenden Papst Benedikt aus Deutschland lustig gemacht, ohne dass es entsprechende Reaktionen gab. Dies lässt Heine zu dem Schluss kommen, dass hier weniger der Glaube als nationale Kränkungen eine Rolle spielen. Auch in katholischen Kreisen in Österreich vermutet man bei diesem Streit eine politische Angelegenheit, wie es gegenüber pressetext heißt.

Papst Johannes Paul II.Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) http://www.djv.de stellt sich hinter Welt Online. “Es ist Teil der Meinungsfreiheit im demokratischen Staat, mit dem Mittel der Satire Kritik an Persönlichkeiten und Institutionen zu üben”, erklärt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Gläubige Katholiken müssten dieses demokratische Grundrecht, von dem sie auch profitieren, akzeptieren, so Konken weiter. Ein Vertreter der katholischen Kirche in Österreich betont gegenüber pressetext, dass Humor in der Kirche seinen Platz habe. Wie man zur Satire von Institutionen und Persönlichkeiten der katholischen Kirche stehe, wollte er nicht sagen.

Die Seligsprechung ist ein langwieriger Prozess, der in der Diözese beginnt, wo die zu seligsprechende Person verstorben ist - im Fall von Papst Johannes Paul die Diözese in Rom. Zunächst werden das gesamte Leben und die Schriften der Person überprüft sowie zahlreiche Zeugen befragt. Das wichtigste Kriterium, um seliggesprochen zu werden, ist der Nachweis eines Wunders, das meist eine medizinisch unerklärliche Heilung ist. Ein Wunder wird von der Kirche als “Unterschrift des Himmels” interpretiert. Wichtig ist außerdem die Lebensführung der Person, die sich auf die Verbreitung der christlichen Ideale Glaube, Hoffnung und Liebe konzentrieren sollte. Die von der Diözese des Verstorbenen zusammengetragenen Informationen werden an die vatikanische Heiligsprechungskongregation übergeben, die das letzte Wort hat. Die Seligsprechung ist die Vorstufe zur Heiligsprechung.

© pte

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