R. Kelly: Seit fünf Jahren wegen Kinderpornographie angeklagt - aber ohne Prozess
Seit R&B-Sänger R. Kelly vor fünf Jahren wegen Kinderpornographie angeklagt wurde, veröffentlichte der Künstler sechs Bestseller-Alben, ging dreimal auf US-Tournee, heimste Preise ein und hatte eine Vielzahl von Hits aber keine Gerichtsverhandlung.
Eine Serie von bizarren Ereignissen, wie der zuständige Richter, der von einer Leiter herunterfiel und ein Fall von akuter Blinddarmentzündung, verzögerten das Gerichtsverfahren des 40-jährigen Sängers weit über die Norm hinaus.
Am 11. Mai 2007 muss Kelly in Chicago vor Gericht zu einer weiteren Anhörung erscheinen. Aber ein Datum für eine ordentliche Gerichtsverhandlung gibt es bisher nicht, weil der Künstler am 29. Mai sein neues Album veröffentlichen wird.
Wie der Onlinedienst cnn.com berichtet, sagen Prozessbeobachter, dass Kellys Prozess schon seit Jahren über die Bühne gegangen sein sollte. Andere Strafprozesse von Promis, wie beispielsweise Michael Jackson, haben seit Kellys Anklageerhebung schon lange ein Ende gefunden.
Experten wie Michael Helfand, Anwalt aus Chicago, wundern sich über die lange Dauer des Verfahrens: «Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Normalerweise kommt es bei Kinderpornographie-Prozessen innerhalb von einem bis zwei Jahren zur Gerichtsverhandlung.»
Angeklagte haben das Recht, ein beschleunigtes Verfahren zu verlangen. Aber sie sind nicht gezwungen, eines zu fordern. Besonders, wenn Geschwindigkeit nicht in ihrem Interesse ist. Kellys Anwälte gehen vermutlich davon aus, dass sich ihre Verzögerungsstrategie gelohnt haben dürfte. Hatte ihr Klient doch reichlich Zeit, weiter an seiner Karriere zu arbeiten und Millionen zu verdienen.
Kellys Pressesprecher, Allan Mayer, sagte gegenüber dem Onlinedienst, dass ihm gesagt wurde, dass der Prozess diesen Sommer starten könnte. «Aber», fügt er hinzu, «mir wurde schon die letzten drei Jahre gesagt, dass der Prozess ‘zu Beginn des Sommers’ anfangen sollte.»
R. Kelly, bürgerlich Robert Sylvester Kelly wurde 2002 angeklagt, nachdem das Videoband der Presse zugespielt worden war. Die Behörden sagten, dass das Mädchen auf dem Video damals 13 Jahre alt war. Kelly bekannte sich nicht schuldig und sagte, er beabsichtige diese juristischen Widerwärtigkeiten zu überleben.
Zurück zu den bizarren Vorfällen während des laufenden Vorverfahrens: Der vorsitzende Richter Vincent Gaughan schien letztes Jahr nahe dran, einen Termin für die erste Gerichtsverhandlung festzusetzen. Doch dann fiel er von einer Leiter herunter und musste mit mehreren Brüchen ins Krankenhaus. Als der Richter wieder auf dem Damm war, hatte plötzlich Kelly gesundheitliche Probleme und musste sich wegen eines geplatzten Blinddarms operieren lassen. Deshalb verpasste er auch den Termin für eine gerichtliche Anhörung im Februar 2007.
Im Falle einer Verurteilung müsste Kelly mit einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren rechnen. Sein Sprecher Allan Mayer sagt dazu: «Das ist eine schreckliche Sache, die über einem hängt. Aber er ist zuversichtlich, dass er als freier Mann aus dem Prozess herauskommen wird, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen.»
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