Reporter ohne Grenzen kritisiert Microsoft-Labor in China

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich über ein Forschungslabor des US-Konzerns Microsoft in China besorgt, das eine Software entwickelt, mit deren Hilfe anhand des Surf-Verhaltens Profile von Internetnutzern erstellt werden können. Mit dieser Art von Software könne man Namen, Alter und Geschlecht des Users erraten und diesen sogar lokalisieren, heißt es in einem Bericht des britischen Magazins “The New Scientist”, auf den sich RSF stützt. Die Software soll Unternehmen in erster Linie dazu dienen, Werbung individuell und Ziel gerichtet an den Verbraucher anzupassen. RSF befürchtet allerdings, die Software könnte in China für das Ausspionieren von Internetdissidenten zum Einsatz kommen.

“Die Technologie, an der Microsoft arbeitet, würde es möglich machen, Informationen über den Internetnutzer ohne sein Wissen zu sammeln”, heißt es in einer Mitteilung von RSF. Damit könnten dann Programme erstellt werden, die “subversive” Bürger identifizieren. “Das ist natürlich nicht die Absicht von Microsoft. Aber wir halten es für inakzeptabel, dass diese Art von Forschung ausgerechnet in einem Land wie China ausgeführt wird, wo derzeit 50 Menschen wegen ihrer im Internet geposteten Beiträge im Gefängnis sitzen”, so RSF. Experten gehen davon aus, dass diese Software in vielen Ländern gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen würde.

Ross Anderson, Ingenieur für Computersicherheit an der University of Cambridge, glaubt, dass Microsoft in rechtliche Schwierigkeiten kommen könnte. “Ich halte es für schädlich, wenn Microsoft so eine Software in großem Rahmen verbreiten würde. Microsoft wird wohl in einer Reihe von Ländern Verstöße gegen eine Reihe unterschiedlicher Gesetze begehen”, sagt Anderson in “The New Scientist”.

Eine derartige Software gäbe den chinesischen Behörden ein Instrument in die Hand, Regime-Kritiker im Internet über die IP-Adresse zu identifizieren, ist RSF überzeugt. Erst vergangene Woche reichte die “Internet Society of China”, ein Ableger des Ministeriums für die Informationsindustrie, einen Gesetzesentwurf ein, der Blogbetreiber dazu bringen soll, Nutzer dazu zu bewegen, ihre echten Namen zu verwenden und Selbstdisziplin zu üben.

Nicht nur Microsoft sieht sich mit Kritik am Umgang mit sensiblen Daten von Internetnutzern konfrontiert. Auch Yahoo und Google bereiten Datenschützern und der EU Sorgen wegen der Vorratsdatenspeicherung von Sucheingaben. Immerhin kündigte Google an, die Speicherung auf zwei Jahre zu beschränken. Danach sollen die Daten durch die Löschung der IP-Adressen anonymisiert werden. Microsoft und Yahoo setzen sich bislang kein Limit für die Aufbewahrung der gesammelten Daten.

© pte

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