Russische Journalisten kündigen wegen Zensur

Eine Gruppe von acht Journalisten hat in Russland als Zeichen des Protests gegen staatliche Zensurmaßnahmen ihre Arbeit bei einer staatlich kontrollierten Rundfunkagentur niedergelegt. Die acht Reporter gaben an, dass sie im Rahmen der Einführung neuer Regelungen für 50 Prozent positiver Nachrichten zu sorgen hätten. Außerdem sei verlangt worden, Oppositionsführer wie Gari Kasparow weder zu interviewen noch zu erwähnen, heißt es in der Tageszeitung The Guardian.

Die russische Regierung begnügt sich aber nicht damit, einheimischen Journalisten einen Maulkorb zu verpassen: Im Vorfeld seines offiziellen Staatsbesuchs diesen Mittwoch und Donnerstag in Wien ließ Wladimir Putin seine strenge Zensurpolitik auch österreichische Medien spüren. Ein ORF-Interview, das Elmar Oberhauser in Moskau mit dem russischen Präsidenten hätte führen sollen, sagte der Kreml wegen “unfreundlicher Berichterstattung des ORF” ab. Auch die Interviews mit den österreichischen Tageszeitungen Kurier, Die Presse sowie dem Wochenmagazin Profil wurden abgesagt.

Die Lage der Pressefreiheit in Russland hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert, stellt die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) fest. Journalisten in Russland sind Opfer zahlreicher Übergriffe bis hin zu Morden wie jener an der unabhängigen Reporterin Anna Politkowskaja im Oktober vergangenen Jahres. Seit Putins Amtsantritt sind in Russland laut Angaben von RSF 21 Journalisten ermordet worden. So gut wie kein einziger ist bislang aufgeklärt worden.

© pte

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